Andachten zum Monatsbeginn   Tropfen bild zu den Andachten

Innehalten – Ruhe finden – Impulse mitnehmen – Gemeinschaft entdecken

Die Andachten zum Monatsbeginn finden an jedem ersten Freitag des Monats statt. Um 18 Uhr in der St.Severi Kirche. Die aktuellen Termine finden sich auf dieser Website unter Aktuelles –> Termine.  Thema ist immer ein kurzer Bibeltext, meist der jeweilige Monatsspruch. Dazu passend werden Lieder gesungen, Gebete und Psalmen gesprochen und Gedanken vorgetragen.

Ein bis zwei Wochen vorher werden die Andachten vorbereitet. Wer sich dazugesellen möchte, ist herzlich eingeladen. Nähere Informationen bei Rosemarie Krause unter Tel. 04751-5724.


Gedanken für den Monatsspruch Juli 2019

von Reinhard Krause

Ein jeder sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Jakobus 1, 19

Ist Hass mehr als Zorn? Über Hass wird gerade viel geredet und diskutiert. Die neuen Medien sind anonym. Da kann man ohne sich offen zu bekennen andere fertig machen. Das erleben wir im politischen Bereich, wo Menschen für ihre humanen Einstellungen zum Objekt von Hass werden. Nun auch schon ermordet. Angst soll erzeugt werden. Das Maul gestopft. Die Hassprediger wollen die Oberhand in der öffentlichen Meinung gewinnen. Und lieben es, sich in der Opferrolle zu präsentieren. Man wird doch noch sagen dürfen. Und wo bleibt eigentlich die Meinungsfreiheit?  

Wo beginnen Konflikte zwischen Menschen? Durch Neid? Oder auch durch das Miteinander-Umgehen? Die Gesetze der Kommunikation? Eine Botschaft wird gesendet. Aber völlig verschieden empfangen. Das gilt im kirchlichen Bereich auch für die Predigt. Kommt da nicht bei vielen Gottesdienstbesuchern etwas völlig Verschiedenes an? Aber überaus Witziges passiert oft im Alltag. 1983 veröffentlichte der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick ein vielgelesenes Buch: Anleitung zum Unglücklichsein. Darin steht auch die Geschichte mit dem Hammer: „Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reichts mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an. Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“ 

Vielleicht ist der Verfasser des Jakobus-Briefes jemand, der um 100 nach Christi Geburt für alle christlichen Gemeinden eine Anleitung zum Glücklichsein schreiben möchte. „Ein jeder Mann sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ Genau zuhören, verstehen, darüber nachdenken und dann etwas Angemessenes sagen. Und auf Zorn verzichten. Der richtet nichts Gutes aus. In der Therapieausbildung habe ich gelernt: Zuhören, vorsichtig wiedergeben, ob ich alles verstanden habe. Warten, dass der Hilfesuchende vertieft erklärt, was er spürt. Das führt hinein in den Kern, verscheucht die Angst, macht heil. Zorn und Belehrung verschließen das Gegenüber und machen alles viel schlimmer. 

Der Brief des Jakobus gehört ebenso wie das Matthäus-Evangelium zur Literatur der judenchristlichen Gemeinden an der ersten Jahrhundertwende. Heiden werden nicht mehr ausgeschlossen, der Ritus wie die Beschneidung oder die Essregeln sind zurückgetreten. Aber das jüdische Ethos hat in Abgrenzung zu Paulus eine höhere Bedeutung. Handeln ist nicht gleichgültig. Das Gesetz ist nicht aufgehoben. Nicht allein der Glaube, sondern auch das Tun rechtfertigt den Gläubigen vor Gott. Im Zorn geschieht nichts, was vor Gott richtig ist. Sanftmut predigt der Text in der Annahme des Wortes, was in die Christen gepflanzt ist und die Kraft hat, sie selig zu machen. 

Und gleich danach kommt das Wort aus dem Jakobusbrief, das auf unserem Kanzellektor steht und das man bei langweiligen Predigten immer lesen kann: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; Christliche Gemeinden haben eine Ausstrahlung und Anziehungskraft, wenn ihre Handlungen beeindrucken. Das gilt auch noch heute: Friedliches und freundliches und geduldiges Zuhören. Überlegtes Reden ohne Zorn und Hass und Hochmut. Das beeindruckt so wie der Satz von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Amen 

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Mit dem Monatsspruch für den Juni befasste sich die Andacht am 7. Juni 2019. –>        06-2019 Juni Andacht Handzettel

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Gedanken für den Monatsspruch Mai

von Rosemarie Krause

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir. 2. Samuel 7, 22 (L)

Manchmal sind es Kleinigkeiten, von außen betrachtet, die mir das Leben beschwerlich machen, manchmal auch richtige Probleme: Krankheit, Schmerz, Angst, Verlust, Panik. Ich erlebe mich als hilflos und nahe der Verzweiflung. Von wo kommt mir dann Hilfe? Ist es mein Arzt, ein Medikament, ein guter Freund? Eine zündende Idee? Oder kommen da Begriffe ins Spiel wie Glück, Fügung, Schicksal? Gott?

Manchmal sind es wirklich Kleinigkeiten. So wie jetzt, Freitagmorgen, heute: Diese Andacht hier war gestern Abend fertig vorbereitet, aber da fehlte noch hier und da was. Sie war noch nicht rund. Und dann zickt die Tastatur meines Computers und es hilft mir nicht weiter, dass ich erkenne, WAS falschläuft, weil ich nicht weiß, WIE ich das korrigieren kann. Technische Probleme, auch noch an anderen Stellen, weil auch der Drucker spinnt und die Vorbereitungen für den Sonntagsgottesdienst meines Mannes sich verhaken.

Dann kommt nachts noch ein Gedanke, den ich unbedingt in diese Andacht mit hineinnehmen will, aber wie, wenn die Technik streikt?

Ich mache mich bereit, handschriftlich weiterzuarbeiten. Tausche eben nochmal die Batterien an der Tastatur aus. Und: Tataaa! Alles läuft! Woher kam die Hilfe? Wenn nicht direkt, so doch als Idee, als Handgriff: danke, Gott.

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.

David spricht diese Worte. Er ist König geworden über Juda und Israel, ein mächtiger Herrscher. Er wohnt in einem Zedernhaus und macht sich in einem Moment der Ruhe und der Rückschau Gedanken über die Bundeslade, das Gesetz Gottes, die er zurückgebracht hat nach Jerusalem, die aber noch in einem Zelt aufbewahrt wird. Es kann nicht sein, dass er ein stattliches Haus bewohnt, die Bundeslade aber, und damit Gott, schlechter untergebracht ist.

Nathan, der Prophet am Hofe Davids, hat eine nächtliche Vision, die er seinem König am nächsten Tag mitteilt. Darin zeigt Gott nochmal alles auf, was er beim Exodus an seinem Volk getan hat, als er es aus der Ägyptischen Gefangenschaft befreite, trockenen Fußes durch das Rote Meer führte. Er beschreibt den persönlichen Aufstieg Davids vom Schafhirten zum Fürsten über sein Volk Israel. Dem Volk hat er, Gott, einen Ort gegeben, wo es sich niederlassen kann und wo es sich nicht mehr ängstigen muss. Er selbst aber war immer ein Gott ohne festen Ort und will es auch bleiben.

Gott kehrt Davids Plan um und kündigt an, seinerseits das Haus Davids zu errichten. Ihm und seinem Haus verspricht er eine lange Königsherrschaft, die sich bei den Nachkommen fortsetzen wird. Einer, der nach David kommt und König über Israel sein wird, soll dann das Gotteshaus errichten und Gott will dessen Königsthron in alle Ewigkeit bestätigen. Er sagt: Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.

Ist damit König Salomo gemeint, der David nachfolgt und dann einen Tempel bauen wird? Im Neuen Testament wird der Evangelist Matthäus diese Verheißung auf andere Art aufgreifen. Jesus Christus als direkter Nachfahre Davids ist für ihn der König, in dem das Versprechen vom ewigen Königtum des »Hauses Davids« wahr geworden ist.

Ob Salomo oder Jesus: Es ist der ungreifbare Gott, der selbst bestimmt, sich zumindest zeitweilig zu verorten. Er zeigt sich uns Menschen nie ganz. Nur der Glaube lässt ihn wirklich und wahr werden, ein Wissen ist nicht möglich. Einen wissenschaftlichen Gottesbeweis können wir nicht erbringen.

Doch dieser unfassbare Gott erweist sich immer wieder als zugewandter Gott, der unser Leben begleitet und auch Davids Gegenwart und Zukunft sichert, und zwar auf eine Weise, die er selbst nicht verdient zu haben glaubt. Und er bekennt:

Darum bist du groß, Herr HERR! Denn es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir nach allem, was wir mit unsern Ohren gehört haben. (Vers 22)

Und der Gedanke, der mir in der Nacht kam: Die Erinnerung an Dietrich Bonhoeffers Wort: Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht. Unsere Erkenntnis von Gott kann immer nur fragmentarisch sein und zeitlich. Gott ist nicht einfach so oder so; er verwirklicht sich immer wieder und immer neu im Werden, im Dialog.

Es ist keiner wie er und kein Gott außer ihm.    Amen

Später stieß ich dann noch auf ein weiteres Zitat zum Thema, heute, im Magazin der Süddeutschen Zeitung, als ob es nicht übersehen werden wollte. Es stammt von einem Laien, von Vincent van Gogh:

Das beste Mittel, Gott zu erkennen, ist, viel zu lieben: Menschen, Dinge, was immer du magst.

Amen

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Gedanken für den Monatsspruch April

von Carolin Pappe

 Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.                   Matthäus 28, 20

Heute, am 5. April, sind wir noch mitten in der Passionszeit und aus dem Monatsspruch spricht schon Ostern – Bonhoeffer predigte dazu „Das ist Osterbotschaft…Nicht der ferne, sondern der nahe Gott, das ist Ostern … Gott ist bei uns, solange es Gemeinschaft gibt.“ Der Monatsspruch soll uns aber im gesamten April begleiten – auch in der Passionszeit, auch auf dem Leidensweg Jesu, der ihn und uns an das Kreuz führt, an dem er stirbt, der uns die Ohnmacht gegenüber menschlicher Gewalt vor Augen führt.

Unser Spruch ist aus dem Matthäusevangelium, der letzte Satz in diesem und steht nach Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung, erscheint unter der Zwischenüberschrift „Der Missionsbefehl“. Jesus spricht zu den 11 Jüngern, dass sie hingehen sollen und alle Völker lehren und taufen sollen – und endet mit den Worten „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Gerade nach der unbegreiflichen Geschichte steht dieses Wort und soll Verlassenheit und Zweifel überwinden. Es spricht zu Menschen mit Existenzängsten, es stiftet zum Hoffen an, wo alles aussichtslos erscheint – auch in unserer Welt heute.

Jesus ist da!

Dafür brauche ich Glauben und Vertrauen – und dies finde ich vielleicht auch in der Begegnung mit anderen Menschen. Oder das Wort begegnet mir in der Musik – beispielsweise im eingangs gesungenen Lied „Ich bleibe in dir“ –

Jesus ist da!

Oder in Worten –
Genau in dieser Woche las ich ein Gedicht von Bonhoeffer – in der Adventszeit 1944 im Gefängnis geschrieben:

Trost der Welt

Stern und Engel, Hirten und die Weisen

künden uns das Große, das geschah.

Und wir loben, danken und wir preisen.

Gott ist nah.

Weg von Trauer, Jammer und Beschwerde

wenden wir das schmerzliche Gesicht,

über aller Nacht der Erde

ist es Licht.

Keiner ist verlassen und verloren.

Wer das glaubt, weil seine Hand ihn hält,

der Erretter ist für uns geboren.

Trost der Welt.

Dieses Kreuz (siehe die Grafik zu dieser Andacht) hängt zu Hause bei uns an einer Wand Ich bekam es vor einigen Jahren geschenkt und nehme den Inhalt für mich immer wieder als Geschenk wahr:

Wie oft habe ich mir diese Worte sagen lassen, wie oft hat mir der Satz über schwierige Situationen hinweg geholfen – vor Entscheidungen, Prüfungen, Veränderungen.
Die meisten menschgemachten Dinge und Probleme bekommen vor dieser Zusage eine ganz andere Dimension und Wichtigkeit – sie schrumpfen und werden überwindbar.
Und egal, wie sich ein Problem entwickelt, dahinter steht für mich immer ein: Ich bin bei euch! Jesus ist da!
ein: Egal, was dir geschieht, du bleibst ein geliebtes Kind Gottes.
ein: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! aus Jesaja

Und mit dieser Zusage können wir vielleicht viel befreiter leben und uns aktiv im Heute einbringen, um andere an diesem Geschenk teilhaben zu lassen, um Gemeinschaft zu erleben – so wie Bonhoeffer sagte: „Gott ist bei uns, solange es Gemeinschaft gibt.“

Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. – Das Abschiedswort macht einen neuen Anfang, es bestärkt, unterstützt, orientiert – hoffentlich auch Sie, und nicht nur im April.