Nach der Einweihungsfeier an der Erinnerungstafel vor der Westseite des Friedhofs.

Das Stelenfeld für die 14 getöteten Kinder der Zwangsarbeiterinnen, eine der Erinnerungsstätten, errichtet vom Verein Zukunft durch Erinnern, in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde, dem Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge und jungen Menschen aus der Jugendarbeit der evangelischen Kirche, auf dem östlichen Friedhof.

Am Freitag, dem 4. September 2026, wurde an der Westseite des Otterndorfer Friedhofes eine Erinnerungstafel eingeweiht.

Wegen starken Regens versammelten sich die Teilnehmer dieser Veranstaltung in der Friedhofskapelle des Gemeindefriedhofs Otterndorf. Das waren Vertreter*innen der Kirchengemeinde St. Severi, der Stadt Otterndorf, der Angehörigen des Euthanasie-Opfers Prof. Carl Langhein, des Vereins „Zukunft durch Erinnern“ und stellvertetend für die Johann-Heinrich-Voß-Schule – Realschule in Otterndorf, Schüler*innen und Lehrer*innen einer 9. Klasse und aus Lüneburg  Jan Effinger für den „Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge“.  Die Gestaltung der Tafel wurde maßgeblich durch Jan Effinger vom Volksbund unterstützt und die Kosten von der Stadt Otterndorf und der Kirchengemeinde getragen.

Irmgard Kröncke, Vorsitzende des Friedhofsausschusses des Kirchenvorstands St. Severi und Mitinitiatorin des Tafelprojekts, gab am Anfang der Feier einen umfassenden Überblick über die Orte der Erinnerung in Otterndorf. Sie erwähnte auch andere Orte der Erinnerung, die nicht öffentlich zugänglich sind. „Zeitzeugen wird es irgendwann nicht mehr geben“, erklärte sie und betonte, dass Erinnerung wichtig sei für den Frieden in der Welt.

Jan Effingers Beitrag zeigte die unterschiedlichen Arten von Erinnerungskultur zwischen Heldenverehrung und Trauer um die persönlichen Opfer seit dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 auf. Immer ging es um die Sinnhaftigkeit des Kämpfens und möglicherweise Sterbens für die betroffenen Familien und für das Land. Nach dem 1. Weltkrieg und den verheerenden Folgen für die Familien war gemeinsame, geteilte Trauer Motivation für die Erinnerung. Ab 1934 wurde im Natioanalsozialismus aus dem Volkstrauertag der „Heldengedenktag“, um das Sterben der Soldaten im Kriegsgeschehen positiv zu etikettieren. Dieser Begriff war noch lange Zeit nach dem 2. Weltkrieg im Umlauf, obwohl die schwerwiegenden Folgen der Nazizeit und ihrer Verbrechen nahegelegt hätten, den Kriegstoten als Teilnehmer an zahllosen Kriegsverbrechen nicht automatisch eine Opferrolle zuzugestehen.

Bürgermeister Claus Johannßen mahnte in persönlich bewegten Worten die Notwendigkeit der Erinnerungskultur an, besonders auch bei den Jugendlichen, die die richtigen Schlüsse daraus ziehen sollten für ihr eigenes Leben.

Reinhard Krause vom Verein „Zukunft durch Erinnern“ betonte in einem spontanen Beitrag, dass Ausgrenzung von Menschen immer der Anfang von Gewalt und Krieg ist. Dies sei auch eine Mahnung für das gegenwärtige Leben.

Die Pastorin Franziska May von der St. Severi-Gemeinde trug ein Gedicht der Jüdin Else Lasker-Schüler vor, die in der Zeit des Nationalsozialismus und danach nach einem Platz für sich in der Welt gesucht hatte und schließlich in Palästina gestorben ist.

Im Anschluss versammelten sich die Teilnehmenden an der Erinnerungstafel vor dem Friedhof.

Vgl. auch den Bericht auf der Seite des Kirchenkreises https://www.kk-ch.de/aktuelles/2026/05-09-2026

Text: Reinhard und Rosemarie Krause
Fotos: Märthe Werder/NEZ