Ausstattung:

Aus reformatorischer Zeit blieb nur ein einziges Werk erhalten: der bronzene Taufkessel aus der Mitte des 14. Jh. Er gehört zum sog. Dreiträgertyp, bei welchem der für die Volltaufe bemessene Kessel von drei Jünglingen getragen wird. die Formung der  Jünglinge, die Ausbildung der Schrift und der Reliefdarstellungen an der durch Schnüre in drei Bänder unterteilten Kesselwandung weisen das Werk einer Gruppe von Taufen zu, die in Kellinghusen und Bramstedt, Hollern und Beydenfleth anzutreffen sind und Arbeiten eines gen verwandten Werkstattkreises sind müssen. 

Alle anderen -Ausstattungsteile, selbst die Gruftplatten unter dem Fürstenlektor, die die Taufe gegen den weiten Kirchenraum abschirmen, sind nach der Reformation in die Kirche gegeben worden.

Von herausragender Bedeutung ist das reich geschnitzte Altarretabel, das laut Inschrift oberhalb des mittleren Bilder 1664 gestiftet wurde. Über der Predella (dem Unterbau des Altaraufbaus) sind die Einsetzungsworte und ein Bild des Hl. Abendmahls gesetzt. Darüber, über den gewählt Streifen mit der Stift. Inschrift und einem Feld mit einem auf die Kreuzigung bezogenen Text, ist auf einen zweiten Bild der gekreuzigte mit Maria Magdalena wieder gegeben; ganz oben ist schließlich in einem oval enthält die Himmelfahrt Christi dargestellt. Diese drei Bilder sind gerahmt von einem alles Architektonische auflösenden, grotesk ersuchenden Ornament, in das, teils dominant, teils kaum erkennbar, Figuren, Engels Köpfe und Fratzen eingebunden sind. Von besonderer Schönheit und thematisch selten sind die beiden Figuren des ersten Menschenpaares. Aufrecht und bleibt stehen sie vor uns, Bittstellern, doch raumgreifender Gewerbe, Eva wie im Schreck zusammenzubringen, Adam vortretend. Die übrigen Figuren-Evangelisten, Sinnbilder von glaube, Liebe und Hoffnung und Putten-Folgen hergebrachten Bauch am Altäre und Epitaphien der Mitte des 17. Jahrhunderts. Der Altar (1629) im Dom von Ratzeburg führen uns auf die Spur des Künstlers, dem der Altar dieser Kirche zugeschrieben werden darf der Gebhard Jürgen Titge (um 1590-1663/64). 

Zu seiten des Altares des hat ein Stollenschrank aus dem 13. Jh. Platz gefunden. Der seltene viertürige Schrank der Frühgotik ist mit eisernen Bändern beschlagen und besitzt kunstvolle Schlösser. Solche Schränke dienten früher zur Aufbewahrung von kostbaren kirchlichen Geräte und der Gelder der Kirche. -  Wendet man sich nun der Kanzel zu, erblickt man im Gewölbe einen alten Degen an den sich eine viel erzählte Sage um eine Hexenverbrennung knüpft.

Neben dem Altar steht die Kanzel, die mit einem Lektor (einer Empore) verbunden ist, ein zweites Werk, dessen Bedeutung über den Ort hinausweist. Die durch die Verbindung mit dem Lektor raumgreifender Anlage füllt die Fläche des südwestlichen Chorjoches voll aus, wobei der westliche Chorpfeiler hinter die Brüstung zurücktritt. Der Kanzelkorb ruht auf Moses mit dem Gesetzestafeln als Tragfigur, ein im protestantischen Kanzelbau beliebtes Motiv, durch das der durch Christus am Kanzelkorb versinnbildlichte Neue Bund mit dem Alten Bund verknüpft wird. Die ausdrucksvoll geschnitzte Figur scheint an den Füßen abgeschnitten zu sein. 

S-förmig geschwungene, ebenso meisterhaft gearbeitete Bügel, die in Engelsköpfchen auslaufen, vermitteln zwischen der Figur und dem Boden des aus dem Achtecken entwickelten Kanzelkorbes. Dessen und der Empore Brüstung sind durch freistehende korinthisierende Säulchen wie in schmaler Felder unterteilt, vor deren architektonisch gerahmte, in Kielbögen zu laufende Felder Figuren der Apostel (zum Kirchenschiff), der Evangelisten und von Christus (an der Kanzel) sowie der Propheten (zum Chormittelschiff) gestellt sind. Die die Figur steht auf einem Volutenkissen und ist durch Attribut und Beschilderung am oberen Brüstungsgurt bestimmt. Der Reichtum von Form und Bewegung wird unterstrichen durch die Fassung, die die fein in Farbe gesetzten Figuren vom lichtblauen, weiß gerandetem Grund von dem in dunkleren Tönen gehalten Brüstungskorpus absetzt.

An der östlichen Brüstung sind die Künstler des Werkes mit ihren Auftraggebern genannt: "M. Jürgen Krübeln / Bildthawer in der Gluckstatt" hat 1644, also in seinem letzten Lebensjahr, das umfangreiche Werk geschaffen, der hamburgischen Schildermaler Erich Schröder es 1659 in Farbe gesetzt. Die lange Spanne dazwischen ist nicht ungewöhnlich, kostete die Fassung meistens doch mehr als das Schnitzwerk. Zu Kriebels letzten Werken gehört die Kanzel im Bremer Dom und, eine der hiesigen Kanzel verwandtes Werk, dessen Fassung aber nicht erhalten blieb. Der Vergleich zwischen diesen beiden Arbeiten macht deutlich, wie wichtig Farben an den Werken dieser Zeiten sind.

Der Kanzeldeckel mit dem Symbol des Hl. Geistes wird um 1800 hergestellt worden sein. Von dem ursprünglich zur Kanzel gehörenden Deckel könnte die fast lebensgroße Christusfigur an der Wand zwischen Chor und Kirchenschiff stammen. Ursprünglich trug sie die Fahne, ihm den Auferstandenen auszeichnet.

1651 ließen die Eheleute Hey und Anna Go(o)s von dem kurz zuvor nach Otterndorf gekommenen Bildschnitzer Jürgen Heidtmann den jüngeren, Sohn eines gleichnamigen Meisters aus Wilster (Dithmarschen), eine Prieche bauen, die unter dem Begriff Pastorenstuhl bekannt ist und früher, in der Südostecke des Chores vor dem Fenster stehend, als kleine Sakristei diente. Die Wappen der Eheleute, die dem Schifferstand angehört hatten, ist in der Rückwand unter der Kreuzigungsgruppe, an welcher Maria Magdalena statt dessen Lieblingsjüngers Johannes Maria assistiert, zu sehen. An den Sockel der Rücklehne sind beiderseits einer kleinen Geburtsdarsstellung zwei Evangelisten - vielleicht Markus und Johannes - gesetzt. Es sind Vollfiguren, die auf Konsolen stehen, in das Rahmenwerk der Banklehne jedoch nicht eingebunden sind. Vordere und seitliche Brüstungen, Zwischengesimse, Seitenschleier, und wo überall es geschnitzte Teil gibt, sind aus Elementen zusammengesetzt, die für Kastenmöbel der Zeit bezeichnend sind. Insofern macht das Stück den fließenden Übergang vom Handwerker zum Künstler anschaulich.

Eine Übersicht über die Formen im Kastenbau des 17. und frühen 18. Jahrhunderts bieten auch die verschiedenen Emporen und Gestühle im Raum. Der Fürstenlektor in der Mitte des Chorseitenschiffs stammt von 1615/16. Seine Brüstung ist durch kanneliert ionische Pilaster in breite Felder unterteilt, in die von Diamantenquardern umzogen Rundbogennischen eingetieft sind. Sie sind heute beiderseits der fürstlichen Wappen an der Südbrüstung ornamental bemalt - ursprünglich waren sie jedoch mit Bildern aus dem Leben Christi, beginnend mit der Geburt, über sein Erdenleben und die Passion bis zum Jüngsten Gericht, versehen; die Unterschriften weisen auf die alten Bilder. - 1642 wurde die Empore auf der Nordseite des Kirchenschiffs, der sog. Männerlektor, eingebaut. Bei gleichem Aufbau der Brüstungselement zeigt sich die jüngere Datierung an der gegenüber dem Fürstenlektor einfachere Bogenrahmung. Die Felder sind ausgefüllt mit Gestalten, die dem alten Testament entnommen waren. Sie hat Samuel Becker, der uns auch auf Votivbildern der Umgebung begegnet, gemalt. - Der untere teil der Westempore, auf ihr wird die Orgel vor dem Neubau von D C. Gloyer (1741) gestanden haben, wurde um 1660 geschaffen. Die Gliederung der Brüstung ist nun eine andere, indem die einzelnen Felder nicht mehr zwischen Pilaster eingepasst sind, sonder die rechteckig gerahmten Bogenfelder, nur durch Rahmenhölzer getrennt, an einander gereiht wurden. Die Bilder stellen Christus, die Apostel und die Evangelisten dar. Die Empore erfuhr 1731 einen Umbau, als sechs Felder abgetrennt wurden zum Bau eines geschlossenen Kirchenstuhls. Die durch ornamentierte Pilasterstreifen in Füllungen mit ovalen Felderungen unterteilte Forderwand ist leicht vorgebaucht; die Fensterstöcke nehmen diese Bewegung auf. Die Brüstungsfelder sind beiderseits der Wappen mit Darstellungen aus dem Leben Jakobs bemalt.

Die Orgel über der Westempore schuf 1741 Dietrich Christoph Gloyer aus Stade. Er benutze die für ihn brauchbaren Stimmen älterer Instrumente weiter, was dazu führte, dass in dem Werk aus der Mitte des 18. Jh. neben anderen auch Elemente der von Antonius Wilde am Ausgang des 16. Jh. erbauten Orgel erhalten blieben. Aufbau und Gliederung des auf der zweiten Empore unter der Holztonne eng eingepassten und mehr in die Breite entwickelten Prospekts orientierten sich an Hamburger Vorbildern: das Hauptwerk in der Mitte wird begleitet von unterteilten Zwischenfeldern, die wieder von Spitztürmen flankiert werden; Pedaltürme mit Seitenschleiern rahmen endlich den Prospekt ein.

Eine Freude bereitet immer wieder der Anblick der Gestühle. sie stammen überwiegend aus dem 18. Jh. und mussten von den Platzinhabern erworben werden, die dafür ihre Schmuckfreude frei entfalten durften. So waren denn nicht nur Banklehnen und -wangen verschieden gestaltet, sondern noch viel mehr die Bemalung. Am äußeren Gang der Südseite hat man probeweise einige der alten Fassungen wieder freigelegt.

Eigentümlich ist die Verkleidung der beiden Pfeiler am Zugang zum Chor. Sie sind entsprechend der Rundung der Pfeiler mit Holzplatten umlegt und am nördlichen Pfeiler mit sechs Darstellungen aus dem Leben Josefs, am südseitigen mit Bibelsprüchen bemalt. Es gibt leider keinen Hinweis auf den Künstler, der die vom Schneideramt 1642 gestifteten Lehrtafeln geschaffen haben könnte. 

Zum Schmuck unserer Kirchen gehören auf Grabsteine und Epitaphien. Die Grabplatten unter den Fürstenlektor, beide 16. Jh., sind von Grabstellen der herzoglichen Grafen  von der Decken und von Bornstedt in die Kirche überführt worden. Am südöstlichen Chorpfeiler befindet sich das Epitaph des Nicolaus Fuchs und seiner beiden Frauen, der Margaretha Clara Füchsin und der Ursula Füchsin. 1643 geschaffen, hat es die Darstellung Christi im Tempel zum Gegenstand. Sehr schön ist zu erkennen, wie die ruhigen Formender Renaissance, hier am inneren Rahmen, druch den Formenreichtum des Ohrmuschelstils überlagert wurden.

Zuletzt werfe man noch einen Blick auf die schönen Bronzeleuchter. Sie stemmen aus dem 16. und 17. Jh. und stellen wie fast alle Gegenstände in der Kirche Stiftungen einzelner Personen dar oder von Korporationen, wie der große Leuchter des Schusteramtes, der in der Mitte des Chores hängt.

Den Blicken entzogen sind die auf d´, f´ und g´ gestimmten Glocken. Die älteste, von Ghert Klinghe aus Bremen um Jahre 1450 gegossen, erklingt seit bald 550 Jahren. Auf ihr sind die Muttergottes mit dem Kind und der hl. Severus dargestellt. Die Inschrift, die sich als Spruchband um den oberen Rand der Glocke zieht, lautet: "Anno dni mccccl maria bin ick ghehetten / de von atrendorpe hebbet mi laten geten + / help got ut not nicht unsser den dot / hans biberholt greve des landes", und am unteren Schriftband: "defunctos plango vivos voco fulgora frango / vox mea vox vite voco vos sacra venite / god gheve siner sele rat ghert klinghe de mi ghe gote had." (zu deutsch:"Die Toten beklag´ich, die Lebenden ruf ich, Blitze zerbrech ich. Meine Stimme ist die Stimme des Lebens. Ich rufe Euch zum Heiligtum. Kommt!"). - Die beiden anderen Glocken kamen 1952 in diese Haus, nachdem die 1927 als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken von 1889 abermals abgegeben werden mussten; sie sind darum den Toten in Krieg und Gefangenschaft und den Toten des deutschen Ostens gewidmet.

Hans-Christoph Hoffmann.