Karl Barth: Pastor, Lehrer und Kirchenvater des 20. Jahrhunderts lautet der Titel der Ausstellung. Foto: Karl Barth-Archiv

Eröffnung im Gottesdienst am Sonntag, 14. Juli, 10.30 in der St.-Severi-Kirche
Drei Wochen in den Sommerferien, vom 14. Juli bis zum 4. August, wird in der St.-Severi-Kirche eine Wanderausstellung aus Anlass des Karl-Barth-Jahres 2019 gezeigt. Die Ausstellung wird im Gottesdienst am Sonntag, 14. Juli, 10.30 Uhr eröffnet.

Karl Barth (1886 – 1968) war ein Schweizer evangelisch-reformierter Theologe, der seit dem Erscheinen seines ersten Römerbrief-Kommentares 1919 wie kein zweiter die Entwicklung der protestantischen Kirche geprägt hat. Nach Ende des Ersten Weltkrieges, der neben allen politischen Parteien, außer den Kommunisten, auch von der Kirche unterstützt wurde, brach in Deutschland die traditionelle Einheit von Thron und Altar auseinander. Auch die überlieferte Glaubenslehre, die durch die Einheit von (monarchistischem) Staat und Kirche geprägt war, durchlitt eine tiefe Krise.
Mit seinen Römerbriefkommentaren (1919/1922) ermöglichte Karl Barth einen Neuanfang der Evangelischen Kirche, indem er deutlich zwischen Gott und der Welt, Kirche und Staat unterschied und der Kirche eine Vorbildfunktion und ein Wächteramt gegenüber dem Staat zuschrieb. Karl Barth wurde als einfacher Pastor aufgrund seiner Römerbrief-Kommentare Professor in Göttingen, Münster und Bonn. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verfasste Barth 1934 maßgeblich die Barmer Theologische Erklärung, begründete die Bekennende Kirche mit und geriet wegen seiner Weigerung, einen Amtseid auf Hitler abzulegen, so sehr unter Druck, dass er 1935 in die Schweiz zurückkehrte und Hochschullehrer in Basel wurde. Ab 1938 rief Karl Barth alle Christen  zum auch bewaffneten Widerstand  gegen den Nationalsozialismus auf. Nach 1945 setzte er sich stark für die Versöhnung mit den Deutschen, die Ökumene und eine umfassende Kirchenreform ein. Im Jahr 1947 verfasste er dazu das Darmstädter Wort mit. Ab 1950 bekämpfte er die deutsche Wiederbewaffnung. Ab 1957 rief er zum blockübergreifenden Widerstand gegen die atomaren Massenvernichtungswaffen auf.

Im Kalten Krieg widersprach er kontinuierlich dem prinzipiellen Antikommunismus. Von 1932 bis 1967 erschien Barths Hauptwerk, die Kirchliche Dogmatik (KD), in 13 Teilbänden (unvollendet). Die KD gibt bis heute wesentliche Anstöße für viele evangelische Kirchen und theologische Debatten. Barth wird im Protestantismus öfter als “Kirchenvater des 20. Jahrhunderts” bezeichnet und historisiert, lehnte dies für sich jedoch ab.

Alle, die daran interessiert sind, Karl Barths Lehre und Leben, auch in seiner Diskussionswürdigkeit näher kennenzulernen, sind herzlich eingeladen, die Ausstellung in der St.-Severi-Kirche zu besuchen. Sie ist während der Kirchenöffnungszeiten Montag bis Sonnabend von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr zu sehen. ts