Jetzt geht es endlich los…

Vorarbeiten zur Sanierung der Otterndorfer Orgel beginnen im Sommer dieses Jahres

Als sich im April 2013 der Verein zum Erhalt der Gloger-Orgel Otterndorf gründete, gingen die Meinungen in der Stadt noch weit auseinander. Die Befürworter waren und sind Feuer und Flamme, das barocke Instrument vor dem Verfall zu retten. Die Gegner hätten es am liebsten durch einen Neubau ersetzt, um Kosten zu sparen.

Sechs Jahre später hat sich die Stimmung gedreht. Die Mehrzahl der Otterndorfer zollt den rührigen Vereinsmitgliedern Respekt. Ist dankbar für den unermüdlichen Einsatz zur Rettung der historischen Orgel. Zahlreiche bestens besuchte Veranstaltungen und die Einwerbung von mittlerweile 1,15 Millionen Euro an Fördermitteln geben davon Zeugnis. Weitere 50000 Euro kamen in dieser Woche hinzu. Dr. Volker Drecktrah, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, und Timo Jahns, Bezirksleiter bei Toto-Lotto Niedersachsen, überbrachten die frohe Botschaft. Sie gaben damit auch gleichzeitig den Startschuss für den Beginn ganz wichtiger Bauarbeiten. Denn bevor es an die eigentliche Orgelsanierung geht, muss zunächst die Empore, auf der das Instrument später wieder stehen soll, instandgesetzt werden.

Die Orgel bleibt während der Bauarbeiten spielfähig

Dazu sind 125000 Euro veranschlagt. Der Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln steuert 50000 Euro dazu bei, aus den Töpfen der Landeskirche Hannovers kommen 25000 Euro. Mit diesem Geld soll die Westwand der Kirche, die Richtung Turm liegt, saniert werden. Durch unsachgemäße Reparaturarbeiten vor einigen Jahrzehnten haben sich hier handbreite Spalten und Risse gebildet. Gerd Belk, Ingenieur beim Amt für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche, erläutert den Sachverhalt so: “In der Vergangenheit wurden beim Verputzen und Ausfüllen der Fugen Materialien verwendet, die sich nicht vertragen. So haben Wandputz und Fugenfüller chemisch miteinander reagiert und ein Salz gebildet, das jetzt Feuchtigkeit anzieht. Dadurch dehnt es sich aus und lässt die Wand reißen. Aufgabe wird es nun sein, dieses Material zu entfernen, die Fugen neu zu verfüllen und die Wand mit einem neuen Putz zu versehen.” Begonnen werden soll mit diesen Arbeiten Ende Juni dieses Jahres.

Weitere 600 000 Euro werden noch benötigt

Die erfreuliche Nachricht: Die Orgel bleibt spielfähig. Das Instrument wird mit Spanplatten verkleidet, um es vor Staub zu schützen. Die Pfeifen werden mit einer Art großem Nylonstrumpf überzogen, sodass der Klang weitestgehend gewährleistet ist. Während der rund dreimonatigen Bauphase bleibt die St.-Severi-Kirche bis auf kleinere Einschränkungen für Besucher, Konzerte und Gottesdienste geöffnet.

Nach der Wandsanierung folgen weitere vorbereitende Arbeiten zur Orgelsanierung. So muss das Raumklima durch eine Veränderung an der Heizungsanlage verbessert und die Erneuerung der Beleuchtungsanlage vorbereitet werden.

Der Ausbau und Abtransport des Instruments zur Orgelbaufirma Ahrend im ostfriesischen Leer erfolgt im Jahr 2021. Dort wird die eigentliche Restauration in der Werkstatt durchgeführt. Die für diesen Bauabschnitt benötigten 1,15 Millionen Euro hat der Verein dank Spenden und Eigenmitteln bereits zusammengetragen.

Erster Bauabschnitt ist durchfinanziert

Die Landeskirche hat einen Zuschuss in Höhe von 400000 Euro zugesagt, das Kulturstaatsministerium und die Klosterkammer Hannover geben jeweils 100000 Euro, der Verein hat bislang 185000 Euro mit Veranstaltungen, Aktionen und Spendensammlungen erwirtschaftet. Dazu kommen Spenden von der WESPA, der Bingo-Stiftung, der EWE-Stiftung, der Hoffmann-Stiftung Hamburg und der Stiftung Orgelklang. Die Orgelbeauftragte des Otterndorfer Kirchenvorstandes Irmgard Kröncke ist optimistisch, auch die noch fehlenden rund 600000 Euro für den zweiten Bauabschnitt zusammenzubekommen. “Die erste Million soll ja bekanntlich die schwerste sein. Nun haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht und werden mit Volldampf an die Beschaffung der noch benötigten Mittel gehen”, sagt sie.

Ziel bleibt es, alle Bauarbeiten bis zum Jahr 2024 abzuschließen und dann eine restaurierte Orgel in der Otterndorfer St.-Severi-Kirche klingen zu hören…

 Thomas Schult

Gerd Belk vom Amt für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche Hannovers, Pastor Thorsten Niehus, Dr. Volker Drecktrah, Kurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die Orgelbeauftragte des Kirchenvorstandes Irmgard Kröncke, Timo Jahns von Toto-Lotto Niedersachsen und Pastor Ludwig Feltrup (von links) bei der Spendenübergabe.
Foto: Schult